Von der Idee zum Start-Up

Als Kind wollten viele von uns Erfinder*innen werden. Carolin Schuberth hat diesen Traum wahr gemacht. Die zweifache Mutter ist nicht nur Geschäftsführerin zweier Firmen, sondern auch Erfinderin und Gründerin der waschies. Mit den wiederverwendbaren Abschminkpads konnte sie sogar einen Investor bei der Höhle der Löwen überzeugen. Was seitdem passiert ist und wie sie all diese Themen unter einen Hut bekommt, erzählt sie im Interview.

finanz-heldinnen: Carolin, Deine Visitenkarte bräuchte eine Ausklappfunktion, denn Du machst so viele Dinge. Verrate uns doch, wo liegt Dein Fokus in Deiner täglichen Arbeit?

Carolin: Mit zwei Kindern und zwei völlig unterschiedlichen Firmen, ist das manchmal in der Tat nicht so einfach zu beantworten. Ich mache mir immer einen genauen Plan, was ich in der Woche schaffen muss und was ich gerne schaffen möchte. Ich habe mir hier auch ganz strikt vorgenommen, dass ich nur zu gewissen Zeiten in mein Mail-Postfach schaue und lasse mich so weniger ablenken und kann mich dadurch viel stärker auf meine momentane Tätigkeit konzentrieren. All das musste ich nach und nach lernen, denn mein Tag hat auch nicht mehr als 24 Stunden und wenn man sich täglich mit Kleinkram verzettelt, dann kommt man schnell an das eigene Limit. Lieber arbeite ich meine Sachen fokussiert ab und wenn ich etwas nicht mehr schaffe, dann muss ich eben auch mit der Konsequenz gut leben können.

Des Weiteren ist es mir auch wichtig, dass ich meine Kinder so oft es geht vom Kindergarten oder aus der Schule abhole, sofern keine wichtigen Termine anstehen. Denn diese Zeit kann mir später niemand mehr zurückgeben. Also muss ich meine Arbeit in ein kleineres Zeitfenster pressen, das oft nur bis 16 Uhr geht.

Du hast vor drei Jahren die waschies ins Leben gerufen. Erkläre doch einmal was waschies sind und wie Dir diese Idee kam?

Meine kleine Tochter litt immer wieder unter Hautirritationen und einem wunden Po. Sie vertrug einfach keine Feuchttücher und ich wollte ein Produkt, das ohne Weichspüler weich bleibt, immer wieder verwendbar und hypoallergen ist und bei bis zu 95° Grad waschbar ist. Die Produkte am Markt haben mich alle nicht überzeugt und so bin ich mit meinen Vorstellungen zu einer Weberei in meinem Heimatort gegangen und habe diesen Stoff angefragt. Die Weberei meinte, dass sie das können, allerdings muss ich mindestens 300 Meter abnehmen. Hier habe ich erst kurz gezögert, weil das so viel ist und ich wusste, dass ich das in fünf Leben nicht verbrauchen werde. Aber dann kam mir der Gedanke, dass viele mit dem gleichen Problem konfrontiert sind, wie ich es bei meinen Kindern hatte. So nahm ich den Stoff ab und fing an Prototypen zu nähen. Als später die Mütter in meinem Bekanntenkreis auf mich zukamen und meinten: „Die waschies funktionieren perfekt zum Abschminken!“, habe ich aus dem Stoff kurzerhand noch waschies Abschminkpads genäht.

Zu welchem Zeitpunkt hast Du Dir gedacht „Da geht noch mehr“ und wolltest ein Investment einsammeln? Und warum bist Du dafür in „Die Höhle der Löwen“?

Als Geschäftsführerin einer Werbeagentur hatte ich zwar eine Ahnung davon, wie eine Website und ein Shop für die waschies aufzubauen ist, aber wie man mit den waschies in den Handel kommt, davon wusste ich nichts. Die waschies liefen über unseren eigenen Shop recht gut, aber es war einfach zu wenig, um das richtig aufzuziehen. Da ich Fan der Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf VOX bin, habe ich mir gedacht, dass ich es einfach mal probiere mich zu bewerben – und in der Tat haben sie mich auch genommen.

Gab es ein Erlebnis bei den TV-Aufnahmen, was Dich absolut überrascht hat?

Als wir für die Show eingeladen wurden, dachte ich schon, dass wir das vielleicht einmal proben werden. Als es dann hieß: „Du hast nur einen Versuch, bei dem du Dich den Löwen präsentieren kannst, wenn Du das schlecht machst, dann sieht das auch jeder im Anschluss!“ Das war für mich echter Nervenkitzel. Zum Glück hatte ich da meine Partnerin und beste Freundin Marcella Müller dabei, sonst wäre ich wahrscheinlich vor Aufregung durchgedreht. Ich war auch noch sehr von den Löwen überrascht, unter anderem wie authentisch sie sind. Speziell unser Löwe Ralf Dümmel, ist ein richtig toller Typ, der auch noch menschlich geblieben ist.

Was hat sich seitdem verändert? Verbringst Du mehr Zeit mit den waschies?

Wir konnten uns zwischen zwei Löwen entscheiden und haben uns für den Investor Ralf Dümmel aus Hamburg entschieden, weil er einfach super gut im Handel vernetzt ist. Wir haben bis jetzt schon 3,5 Millionen waschies verkauft, das ist einfach irre. Ein Jahr nach der Ausstrahlung hat sich so einiges getan. Wir haben für waschies nun auch Mitarbeiter eingestellt, die sich hier ausschließlich um das Thema kümmern. Ich habe mich wieder auf meine Stärken fokussiert, die liegen ganz klar darin Werbekonzepte und Ideen für Marken umzusetzen. So bin ich zwar noch stark bei den waschies involviert, aber es nimmt von meiner Zeit nur noch circa 20% ein. Die restlichen 80% investiere ich in die Agentur excellents, um hier für Kunden die besten Konzepte zu entwickeln.

Nun hast Du auch mit Deiner Geschäftspartnerin Marcella eine Agentur. Zusammen habt ihr die Trading Masters ins Leben gerufen. Was genau ist das?

Wir beide haben einen Bankenhintergrund und sind in Sachen Börse sehr affin. Trading Masters ist eine wirklich tolle Erfolgsgeschichte, die wir vor bereits neun Jahren ins Leben gerufen haben. Das ist ein Börsenspiel in Kombination mit einer großen Wissensplattform. Börse spielerisch erlernen und dabei das nötige Rüstzeug für den echten Börsenhandel bekommen, das ist unser Ansatz gewesen. Dank der Sponsoren, die ich an der Stelle sehr gerne nenne (UBS, comdirect und Börse Frankfurt) können wir diese Plattform völlig kostenfrei für jeden über 18 Jahre anbieten. Hier kann man mit zwei Depots und jeweils einem Depotbestand von 25.000 Euro spielerisch den Umgang mit Aktien und Hebelprodukten erlernen. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, anderen Mitspielern zu folgen, verschiedene Coaches haben offene Depots und berichten über ihre Strategie. In jeder Phase gibt es kleine Wissenstests, die man vorher üben kann und das Wissen dann abprüfen kann und dafür gibt es wiederum Punkte. Also Spiel, Spaß und Spannung, denn es gibt tolle Preise im Wert von über 100.000 Euro zu gewinnen.

Es ist alles für den Teilnehmer komplett kostenlos. Mich hat es immer gestört, dass man von Banken so viele Broschüren bekommt. Ich bin jemand, der es einfach gerne selbst mal ausprobiert und mit einem virtuellen Depot lässt sich das Training für den echten Börsenhandel sehr gut umsetzen.

Warum sollten finanz-heldinnen an dem Spiel teilnehmen?

Frauen sind ganz oft die besseren Trader, weil sie sich nicht in eine Aktie oder in ein Hebelprodukt verlieben. Wir haben unter den TOP 10 immer einige Frauen dabei, die sogar das erste Mal in ihrem Leben handeln. Es gibt ein eigenes Frauenranking und es wird wieder tolle Frauen-Events geben, bei denen man sich mit anderen Börseninteressierten austauschen kann. Man lernt definitiv spielerisch Börse in all ihren Facetten. Ich finde das gerade für Frauen so wichtig, denn Börse ist gar nicht so schwierig, wenn man es einfach mal ausprobiert.

Hat Dir Dein Know-How aus Agentur und Finanzhintergrund dabei geholfen, Dein Start-Up auf solide Beine zu stellen?

Aber ganz gewiss. Es ist so wichtig, hier Risiko und Money-Management zu beherrschen, denn nur, wenn man das Risiko einschätzen und auch tragen kann, kann man befreit investieren und weiß, was man verlieren darf, ohne vollständig baden zu gehen.

Wie bekommt ihr das als Familie alles gemeinsam unter einen Hut?

Schwer (lacht). Mein Mann ist Osteopath und kann sich zum Glück die Zeit einteilen. Meine Schwiegermutter konnte bisher noch viel abfedern, aber manchmal geht auch das nicht, dann müssen die Kinder einfach mit zur Arbeit gehen. Hier habe ich alles kindgerecht gestaltet, sodass alle Mitarbeiter ihre Kinder mitbringen können. Sie haben hier eine kleine Spielecke und werden abwechselnd von uns betreut. Ansonsten ist mein Motto schon lange nicht mehr, dass nur die Arbeitszeit zählt. Vielmehr zählt das, was Du schaffen möchtest. Manchmal geht das in fünf Stunden und Du hast alles geschafft und kannst nach Hause gehen und manchmal quälst Du dich und kommst nicht voran, da ist es sinnvoller Du machst einen Schlussstrich und gehst im Wald spazieren und am nächsten Tag fängst Du frisch wieder an, oder du machst das abends. Wir sind eben keine Maschinen und das müssen wir als Arbeitgeber auch begreifen. Jeder hat einen anderen Biorhythmus und Zeiten, an denen er wesentlich effektiver ist. Die gilt es zu nutzen.

Was machst Du gerne in Deiner Freizeit, um abzuschalten?

Ich liebe Tennis spielen, da ist nur der rote Sand, der Ball, der Gegner und ich… Ich gehe außerdem sehr gerne joggen, da befreie ich mich von meinem Gedenkenwust. Genauso wie Gartenarbeit, die liebe ich sehr – einfach mit den Händen arbeiten, das bringt mich runter. Auch Wandern und Skifahren sind wichtige Ausgleiche für mich. Ansonsten natürlich Family-Time, hier basteln wir gerne und bauen an unserem Baumhaus, oder chillen einfach.

Carolin Schuberth

Carolin Schuberth

Carolin Schuberth hat internationales Management studiert und ist Gründerin der Werbeagentur Excellents, die derzeit 12 Angestellte hat. Die 44-jährige ist jedoch nicht nur Geschäftsfrau, sondern auch verheiratet und Mutter von zwei Kindern (4 und 9 Jahre). Vor neun Jahren hat sie gemeinsam mit einer engen Freundin das Börsenspiel Tradingmasters erfunden, bei dem bisher knapp 100.000 Teilnehmer aus- und weitergebildet wurden. Im November starten sie hier mit einer neuen Staffel.
Weil ihre Tochter immer wieder an Hautirritationen litt, erfand sie 2016 die waschies, die sie heute als wiederverwendbare Abschminkpads verkauft und damit nicht nur ihre Kund*innen, sondern auch einen Investor bei der Höhle der Löwen überzeugte.

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