Warum Aktien immer heftiger schwanken

Aktienkurse schwanken. In Krisenzeiten können diese Ausschläge ganz schön stark sein. Überhaupt schwanken die Notierungen an den Börsen im Vergleich zu früher heftiger. Das hat Gründe, welche erklären wir Dir im Beitrag.

So schnell und so heftig wie nie zuvor stürzten die Aktienmärkte im Februar und März 2020 ab. Allein mit dem Dax ging es binnen vier Wochen um stolze 40 Prozent abwärts. Der Corona-Crash war historisch, er war einzigartig. Natürlich schwanken Aktienkurse, manchmal auch recht heftig. Und Crashs gehören einfach zur Börse dazu. Alle paar Jahre hat es in der Vergangenheit geknallt, leider. Doch solche Verwerfungen und ein solches Tempo hatten selbst die erfahrensten Profis noch nicht erlebt. Wenn Du investiert warst, weißt Du: Da brauchte es extrastarke Nerven.

Schon vor dem Corona-Crash hieß es, dass Aktienkurse heute stärker schwanken als früher. Und das stimmt auch. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht: die Computer. Oder genauer gesagt: die computergestützten Handelssysteme und all jene Investoren, die sie nutzen.

Dass der Dax drei, vier oder fünf Prozent an nur einem Tag schwankt, war früher undenkbar. Im Computer-Zeitalter passiert das immer öfter und in Corona-Zeiten mussten wir noch viel deutlichere Ausschläge ertragen. Für diese stärkere Schwankungsintensität – Börsianer*innen sprechen von Volatilität – werden vor allem Börsenhändler*innen mit vollautomatischen Kauf- und Verkaufsprogrammen verantwortlich gemacht, sogenannte Algo-Trader. Algo ist die Abkürzung für Algorithmus. Oft arbeiten die Computerprogramme dieser Trader mit sehr ähnlichen Modellen, sie folgen bestimmten Trends und befeuern große Kurssprünge daher noch zusätzlich. Auch Quant-Investoren werden deshalb übrigens oft kritisiert, denn sie investieren streng quantitativ, also absolut datengesteuert. Auch das kann Trends an der Börse verstärken.

Algo-Trader sind extrem aktiv

Viele Algo-Trader nutzen auch minimale Kursentwicklungen aus. Um trotzdem einen stattlichen Gewinn einzufahren, handeln sie massenhaft Aktien und halten diese nur Sekundenbruchteile. Sie sind Hochfrequenzhändler*innen und machen je nach Markt einen enormen Anteil des Aktienhandels aus. In den USA sollen es bis zu 80 Prozent sein. Das Risiko ist groß, dass es dabei zu einer Kettenreaktionen kommt. Dann kann eine Abwärts-Spirale in Gang kommen, die sich immer schneller und schneller dreht. Ein Beispiel dafür ist der Flash-Crash vom 6. Mai 2010. Damals verlor die US-Börse binnen Minuten über neun Prozent, Schuld sollen eben jene Hochfrequenzhändler*innen gewesen sein. Der Markt erholte sich dann aber schnell wieder.

Das sind natürlich extreme Trader. Aber auch der „normale“ Handel ist schneller geworden. Nachrichten sind heute immer und überall verfügbar, wir alle haben unseren Broker quasi in der Handtasche, können über Apps immer und überall unsere Orders aufgeben. Der Großteil des deutschen Aktienhandels etwa läuft heute über Xetra, ein vollelektronisches System, das Kauf- und Verkaufsaufträge automatisch zusammenführt. Und das geht natürlich rasend schnell. Auch das lässt die Kurse natürlich ein bisschen stärker schwanken als früher.

Emotionen verstärken die Schwankungen

Für viele Investor*innen und vor allem Privatanleger*innen sind die mitunter hohen Schwankungen ein Grauen, sie können das kaum ertragen. Bedenke aber bitte, dass Du solche Ausschläge eigentlich ignorieren kannst, wenn Du sehr langfristig anlegst. Dann kannst Du Schwankungen einfach aussitzen. Häufig sind es nämlich auch Emotionen, die an der Börse hochkochen. Wenn Gier oder Panik ausbrechen, dann geht es eben entsprechend schnell aufwärts oder eben abwärts. Langfristig zählen dann aber doch die Fakten.

Und auch wenn die Kurse wirklich stärker schwanken als noch vor 20 oder noch mehr Jahren: Was wir zuletzt erlebt haben, war trotzdem besonders heftig. Ausschläge im zweistelligen Prozentbereich sind (hoffentlich) die Ausnahme. Der Corona-Crash ist anders als frühere Abstürze, weil auch die Krise anders war. Wann beschlossen Regierungen schon mal, die Weltwirtschaft quasi über Nacht still zu legen? Wann brachen Angebot und Nachfrage gleichzeitig so stark ein? Da war die Panik dann besonders groß – und entsprechend heftig fiel der Crash aus.

Und übrigens: Aktien schwanken in beide Richtungen – nach unten und nach oben. Volatilität ist also nicht grundsätzlich schlecht.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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