Weihnachtsgeld

Weihnachtsgeld? Lieber anlegen als ausgeben!

Millionen Deutsche bekommen Weihnachtsgeld. Die meisten geben es aus oder packen es auf Sparkonten. Es anzulegen, wäre die bessere Idee – vor allem langfristig.

Alle Jahre wieder gehen wir in den Wochen vor Heiligabend auf Geschenkejagd. Stolze 472 Euro wollen Verbraucher in diesem Jahr durchschnittlich für ihre Lieben ausgeben, hat das Ifes-Institut ermittelt. Gut, dass bei vielen von uns das Konto prall gefüllt ist. Zumindest dann, wenn wir zu den Glücklichen gehören, die Weihnachtsgeld bekommen.

Doch nicht alle dürfen sich über den Bonus vom Chef freuen. Nach aktuellen Daten der Hans-Böckler-Stiftung profitiert aber immerhin gut jeder zweite Beschäftigte (55 Prozent) von der Sonderzahlung. Die Quote ist seit Jahren relativ konstant. Wenn Du in einem tarifgebundenen Unternehmen arbeitest, hast Du in der Regel durch den Tarifvertrag einen Rechtsanspruch auf das Weihnachtsgeld. In nicht tarifgebundenen Betrieben wird das Weihnachtsgeld oft nur als freiwillige Zahlung geleistet, die vom Unternehmen unter bestimmten Bedingungen wiedereingestellt werden kann.

Meistens wird das Weihnachtsgeld als fester Prozentsatz des Monatseinkommens berechnet, die Sonderzahlung wächst also mit jeder Tarifsteigerung und jeder Gehaltserhöhung – wie praktisch. Die Tarifbeschäftigten bekommen in diesem Jahr laut Statistischem Bundesamt 2.583 Euro brutto – 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. In Westdeutschland werden im Schnitt 2.595 Euro gezahlt, fast vier Prozent mehr als im Osten.

Den Weihnachtsbonus gewinnbringend investieren

Auf jeden Fall ein stolzes Sümmchen. Nun stellt sich natürlich die Frage: Wohin mit dem Geld? Ausgeben? Sparen? Oder gar investieren? Falls Du das Weihnachtsgeld nicht in Geschenke investiert, dann schiebst Du es wahrscheinlich auf ein (Spar-) Konto. Blöderweise sind es nämlich diese beiden Alternativen, die die meisten Deutschen wählen, wenn es um das Extra-Geld vom Chef geht. Das Geld in Aktien oder Fonds zu investieren kommt nur für die wenigsten in Frage: Nur acht Prozent würden den Weihnachtsbonus in Aktien oder Fonds investieren. Das hat eine repräsentative Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag von Fidelity International ergeben. Die ist zwar schon ein Jahr alt, das Ergebnis dürfte aber so oder zumindest so ähnlich wieder ausfallen. Die Deutschen haben eine ganz klare Präferenz, was sie mit ihrem Weihnachtsgeld tun: Fast die Hälfte geben es lieber für den Konsum aus. Immerhin jeder Dritte lässt es einfach auf dem Konto liegen.

In Zeiten von homöopathischen Zinsen tut es dort genau das: (rum-) liegen. Viel besser wäre es, den Bonus von Chef oder doch zumindest einen Teil davon anzulegen und damit arbeiten zu lassen. Wenn Du das Weihnachtsgeld nämlich an der Börse investierst, dann „arbeitet“ es oder besser: Unternehmen arbeiten damit. Und das lohnt sich vor allem langfristig. Das bestätigt auch die Bundesbank. Deutschlands oberste Geldhüter haben errechnet, dass Aktien langfristig Renditen von im Schnitt gut acht Prozent pro Jahr erzielen. Damit sind sie die erfolgreichste Anlageklasse überhaupt.

Warum also nicht einen Teil des Weihnachtsbonus gewinnbringend investieren? Ich wäre sehr dafür! Zugegeben, wenn ich Dir diesen Tipp im vergangenen Jahr gegeben hätte, dann wäre es kein besonders guter gewesen. Zumindest dann, wenn wir das Weihnachtsgeld-Investment kurzfristig sehen. In den vergangenen zwölf Monaten ging es an der Börse weltweit eher abwärts. Der Dax beispielsweise, in dem die 30 größten deutschen, börsennotierten Unternehmen gelistet sind, hat etwa 14 Prozent verloren. Aber das ist eben wirklich eine sehr kurzfristige Sichtweite.

Aktien sind aber langfristige Investitionen. Das gilt auch, wenn wir unser Weihnachtsgeld investieren. Am besten legst Du es für zehn und mehr Jahre an. Je länger Du investiert, desto lockerer kannst Du schwache Börsenphasen und sogar Crashs aussitzen. Auf Sicht von zehn Jahren hat der Dax nämlich trotz einiger Rücksetzer mehr als 170 Prozent zugelegt. Und wer möchte sein Weihnachtsgeld nicht verdoppeln oder verdreifachen.

Zwischendurch gibt es aber eben gute und schlechte Börsenjahre: Das Jahr 2017 war ein gutes, das aktuelle Jahr ist ein eher schlechtes. Insgesamt ging es in den vergangenen Jahren aber aufwärts und wenn die Weltwirtschaft weiterwächst, die Unternehmen gutes Geld verdienen, dann wird das auch weiter so sein. Rücksetzer sind aber nie ausgeschlossen, Crashs leider auch nicht.

Es kann sogar Jahre geben, in denen sich das an der Börse investierte Weihnachtsgeld halbiert. Aber wenn Du langfristig anlegst, muss Dich das nicht stören. Im Gegenteil. Dann – und auch jetzt – könnte es sich lohnen, gleich noch mal nachzukaufen und das nächste Extra-Geld vom Chef auch noch zu investieren. Am besten wäre es, das Weihnachtsgeld Jahr für Jahr in Aktien zu stecken – zumindest teilweise. Ganz stur, ohne Blick auf die aktuellen Kurse. Langfristig wird sich das lohnen, davon bin ich überzeugt; und die Bundesbank auch.

Es muss ja nicht das komplette Weihnachtsgeld sein. Wir wollen und sollten uns und unseren Lieben schließlich auch mal was gönnen!

Meine Empfehlungen für Dein Weihnachtsgeld:

Gibt nicht alles aus, sondern investiere es an der Börse. Lege Jahr für Jahr zumindest einen Teil des Weihnachtsgeldes in einen Aktienfonds oder in einen Indexfonds (ETF) an. Lass Dich von schlechten Jahren nicht verunsichern, langfristig lohnen sich Aktieninvestments – allen kurzfristigen Rückschlägen zum Trotz.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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