Wie viel Risiko ist sinnvoll?

Wie viel Risiko ist sinnvoll?

Ohne Risiko wird man kaum eine nennenswerte Rendite erzielen können. Aber wie viel Risiko solltest Du mindestens im Depot tolerieren?

Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Ein Zusammenhang, der auch bei der Vermögensanlage gilt. Rendite gibt es nicht umsonst. Leider kann aber niemand eine pauschale Antwort auf die Frage geben, wie viel Risiko in Dein Depot gehört. Vielmehr hängt die Entscheidung von vier Faktoren ab.

Zeithorizont

Die erste Frage, die Du Dir als Anlegerin stellen solltest, ist: Wie lange möchte ich investieren? Aktienkurse sind den Kräften von Angebot und Nachfrage ausgesetzt und können sehr stark schwanken. „Über kurze Anlagefristen ist hier das Verlustrisiko kaum kalkulierbar“, gibt Peter Scholz, Professor für Banken und Finanzmärkte an der Hamburg School of Business Administration, zu bedenken. Je länger der Anlagehorizont ist, desto mutiger kannst Du in chancenreiche Assets wie Aktien, Aktienfonds, Rohstoffe oder Gold investieren. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass zwischenzeitliche Kursrückgänge über die Zeit ausgeglichen werden.

Zweck

Je nachdem, wofür Du Vermögen aufbauen möchtest, sollte auch das Wagnis variieren. Streikt morgen Dein Auto und benötigt eine kostspielige Reparatur, dann brauchst Du das Geld dafür sofort. Vermögen, das kurzfristig zur Verfügung stehen muss, sollte daher unbedingt liquide und mit minimalem Verlustrisiko angelegt werden, etwa auf dem Tagesgeldkonto. Wer in den kommenden fünf Jahren plant, ein Haus zu bauen, kann durchaus längere Kapitalbindungszeiten und damit auch etwas mehr Risiko in Kauf nehmen, sollte aber dennoch auf konservative Anlagen wie einen Bausparvertrag zurückgreifen. Mit Deiner privaten Altersvorsorge, die vielleicht erst in 30 Jahren benötigt wird, kannst Du dagegen mutiger umgehen, um die Chance auf eine attraktive Rendite zu wahren. Über einen solchen Zeitraum können Kursschwankungen nämlich ausgeglichen werden.

Renditeerwartung

Frage Dich außerdem: Welchen Ertrag möchtest Du mit Deiner Anlage erwirtschaften? Möchtest Du viel Rendite innerhalb von kurzer Zeit machen, dann kommst Du um risikoreiche Finanzprodukte nicht herum. Aber Vorsicht! Mehr zu wagen bedeutet nicht automatisch, mehr zu gewinnen. Der positive Effekt eines erhöhten Risikos ist limitiert. Stell Dir vor, in Deinem Depot befinden sich ausschließlich Aktien von Technologieunternehmen, noch dazu von kleinen Unternehmen – sogenannten Small Caps oder Nebenwerten –, die an sich schon als risikoreich eingestuft werden. Vielleicht legen zwei oder drei dieser Aktien eine Wertentwicklung von 50 Prozent pro Jahr oder gar mehr hin. Wenn die anderen zehn Papiere aber unter den Einstiegskurs fallen oder einige gar total ausfallen, dann frisst das Risiko regelrecht die Rendite auf. Übermut wird an der Börse selten belohnt.

Wer auf keinen Fall ein hohes Risiko eingehen möchte, muss auch seine Renditeerwartungen herunterschrauben. Die Auswahl an Wertpapieren ist ja zum Glück sehr groß – von risikoarm bis hin zu hochriskant.

Individuelle Risikopräferenz

Trotz rationalem Verständnis der Zusammenhänge zwischen Risiko und Rendite, gibt es Menschen, die besonders risikoscheu sind. Und das ist auch in Ordnung. Der Vermögensexperte Peter Scholz empfiehlt, sich selbst treu zu bleiben: „Du solltest Dich mit Deiner Anlage zu jeder Zeit wohlfühlen.“ Es bringt nichts, sich Aktien ins Depot zu kaufen, wenn man damit nachts nicht ruhig schlafen kann. Auch wer sich nicht an die Börse traut, kann seine Sparziele erreichen. Dafür muss er entsprechend mehr sparen beziehungsweise mehr Zeit einplanen.

Auf kurze und mittlere Sicht ist das gar nicht so dramatisch. Möchtest Du etwa 5.000 Euro für eine größere Reise ansparen, hättest du das vor zehn Jahren, als das allgemeine Zinsniveau bei 3,5 Prozent lag, mit einer monatlichen Überweisung von 100 Euro aufs Sparbuch nach knapp vier Jahren geschafft. Heute, bei einem Zinsniveau von null Prozent, musst Du nur rund zwei Monate eher beginnen. Für Deine Altersvorsorge ist der Zinseffekt allerdings verheerend (siehe „Teurer Zinseffekt“).

Um gewisse Risiken wirst Du als Anlegerin nicht herumkommen. Wohldosiert bringen sie Dich jedoch schneller an Deine Sparziele.

Teurer Zinseffekt

Die Abbildung zeigt, wie der aktuelle Niedrigzins Dir das langfristige Sparen erschwert. Um über 30 Jahre rund 200.000 Euro fürs Alter anzusparen, müsstest Du auf dem Tagesgeldkonto aktuell mehr als 500 Euro pro Monat zurücklegen. An der Börse, wo vier Prozent durchaus realistisch sind, würdest Du das Ziel mit 270 Euro pro Monat erreichen.

Zinseffekt
* Stand Mai 2018, Inflationsrate in Deutschland 2,2 Prozent

Mehr interessante Artikel im Magazin:

finanz-heldinnen Infoline

Auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit kommen viele Fragen auf. Dabei ist jede Frage anders und wir möchten jeder Frau auch eine individuelle Antwort geben. Dafür haben wir die finanz-heldinnen Infoline eingerichtet.

Hier könnt Ihr alle Fragen stellen, die Euch rund um das Thema Geldanlage beschäftigen. Einfach, persönlich und von Frau zu Frau.

Ihr erreicht uns montags bis freitags von 9.00 bis 20.00 Uhr unter der Telefonnummer:

04106 – 708 2549

Wir freuen uns über Euren Anruf!